Selfmadecrew fängt an zu malen- Ein Mural Kunstwerk im Gefängnis

Die Wand im Gefängnis wird bemalt!


Location: Jugendstrafanstalt Plötzensee, Berlin
Datum: November 2019
Anlass: Einweihung der Helmuth-Hübener-Schule
Material / Oberfläche: Sprühfarbe auf 15x7m Backsteinmauer
Ausführungsdauer: 4 Tage

Vorgeschichte

Wie viele Städte weist auch Berlin – die Stadt, in der wir leben und die wir lieben – eine dunkle Vergangenheit auf. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden hier viele grausame Taten von den Nazis begangen. So wurde unter anderem der junge Widerstandskämpfer Helmuth Günther Hübener (geb. 8 Januar 1925) am 27. Oktober 1942 in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee vom Nazi-Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und ermordet.

Work in progress- Die Entstehung eines Wandkunstwerks in einem Jugendgefängnis

Die ersten “Pinselstriche”

Kunstprojekt in einem Jugendstrafvollzug

Die JVA-Plötzensee ist ein alter Gefängniskomplex, der 1879 im Berliner Bezirk Moabit erbaut wurde und immer noch in Betrieb ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort auch eine Jugendstrafanstalt eingerichtet. Diese zog 1987 in Neubauten auf dem nördlich angrenzenden Gelände am Friedrich-Olbricht-Damm, nutzt aber auch weiterhin zwei Gebäude der historischen Anstalt. Einer der Neubauten auf dem Gelände dient als Schule für jugendliche Häftlinge, die ihre Strafen im Gefängnis verbüßen. 2019 wurde die Schule nach Helmuth Hübener benannt. Im Januar 2020 wurde sie offiziell eröffnet.

Die Gefängnisverwaltung sowie die Berliner Stadterwaltung baten uns, ein Wandkunstwerk am Schulgebäude zu kreieren und dieses Helmuth Hübener zu widmen.
Wir fühlten uns sehr geehrt dieses Kunstprojekt realisieren zu dürfen und sagten selbstverständlich zu.

Helmuth Hübener Porträt-Wandkunstwerk an einer Gefängnismauer- Mural von Selfmadecrew

Work in progress

Die Idee

Wir entschieden uns dabei für ein Portrait von Helmuth Hübener. Als Vorlage diente ein Foto aus einer Gerichtsakte.
Da eine Gefängnismauer schon in sich eine symbolische Bedeutung trägt, wollten wir die Wand in unserem Projekt zu einem eigenständigen und unverzichtbaren Teil des Kunstwerks machen. Das Konzept besteht darin, anstatt einfach nur ein Mural an die Wand zu malen, die Wand nun so in das Kunstwerk zu integrieren, dass es nur mit ihr im Ganzen funktionieren würde.
Als Kontrastfarbe zum roten Backstein der Gefängnismauer kam nur Weiß infrage. Außerdem symbolisiert die Farbe in vielen Kulturen Unschuld, Trauer, Heiligkeit oder Klarheit.

Helmuth Hübener Porträt-Wandkunst im funktionierenden Gefängnis- Mural Art- Die Nahaufnahme

Wir verwendeten ausschließlich weiße Farbe

Für eine minimalistische Umsetzung des Porträts, die ohne Verschnörkelungen auskommen musste, entschieden wir uns für den Halbtonraster-Effekt. Dadurch konnten wir den Farbeinsatz reduzieren, wodurch auch die Backstein-Fassade weitestgehend zum Vorschein kommt und damit durch das Abbild buchstäblich durchscheint.

Die Ausführung

Da unser lineares Halbtonraster-Motiv aus gleich großen, rechteckigen Segmenten bestand, schnitten wir zwei ca. ein Meter lange Schablonen (Stencils) unterschiedlicher Breite aus, passend zu den Segmentbreiten des Entwurfs. Um die Abstände zwischen einzelnen Bild-Segmenten gleich groß zu bekommen, bauten wir zusätzlich zwei Lineale mit passenden Breiten.
Um bei der Fassadenbemalung schneller voranzukommen, brachten wir an unsere Schablonen Haltegriffe an. Für schmale Abstände zwischen einzelnen Bild-Segmenten, planten wir Abdeckklebeband.

Die letzten Korrekturen an dem Portrait Wandkunstwerk von Selfmadecrew

Die letzten Korrekturen

Normalerweise benutzt man für dieses Zweck speziell dafür entwickeltes Malerkrepp. Da wir allerdings erst Anfang Dezember mit dem Malen loslegen konnten, lag die Außentemperatur bei ca 2 °C und die Fassadenwand war so kalt, dass keiner der von uns getesteten Malerkrepp-Sorten an der Wand haften blieb. Nach mehreren Tests fanden wir eine GAFFA-Tape-Sorte, die knapp 10 Minuten kleben blieb. Dies hat gerade noch genügt, um einen Quadratmeter Wand schnell bemalen zu können. Anstatt gleich am Anfang die komplette Fassade abzukleben, mussten wir also das Bild Stück für Stück malen. Der Nachteil dieser Vorgehensweise war, dass wir beim Malen das Gesamtbild nicht sehen und somit nicht überprüfen konnten. Da weiße Sprühfarbe von rotem Backstein nicht wieder sauber entfernt werden kann, hätten wir nichts mehr korrigieren können. Wir durften uns nun wirklich keine Fehler bei der Übertragung des Entwurfs auf die Wand und beim Malen erlauben. Daher war die Anspannung beim Malen sowie die anschließende Erleichterung sehr groß. :)

Im folgenden Making-of-Video könnt ihr die schrittweise Entstehung des Murals nachvollziehen:

Helmuth Hübener Porträtwandkunst im Jugendstrafanstalt-Plötzensee in Berlin

Vollendetes Wandkunstwerk